Was hilft bei Abschied, Schlaf und Angst?

„Kinder brauchen Klarheit“

Mark Leonard – Mein einzigartiges Pandakind Kapitel 8

Kurz vor Leons zweitem Geburtstag besucht er in der Corona-Zeit eine Spielgruppe im Freien. Die Eingewöhnung ist zäh, gerade bekommt Leon die Backenzähne. Eines Tages soll der Vater ihn für 20 Minuten allein lassen. Als er zurückkommt, hört er das Weinen schon von Weitem. Das Hemd des Jungen ist nass gesabbert. Ich denke, er hat genug für heute, sagt die Erzieherin. Der Vater stimmt zu und fragt Leon, ob sie nun gemeinsam nach Hause fahren wollen, was er meine

Leon antwortet nicht, lässt sich absetzen und rennt zur Rutsche. Er ist offenbar noch nicht fertig mit Spielen, er hat nur die Sicherheit des Vaters gebraucht. Sie wollten doch gehen, wundert sich die Erzieherin. Der Vater erklärt, er habe Leon gefragt, und der wolle noch bleiben. „Kinder brauchen Klarheit“, sagt sie. Wenn Eltern etwas entschieden hätten, müssten sie dazu stehen, sonst wisse das Kind nie, woran es ist.

Der Vater hat keine Lust auf eine Diskussion. Er schnappt sich Leon, der wirklich noch nicht gehen will, und tritt den Heimweg an. Heute sagt er, die Erzieherin habe recht gehabt. Und zugleich auch nicht.

„Daddy kommt immer zurück“

Dr. Becky Kennedy – Good Inside Kapitel 27

Der dreijährige Wesley freut sich auf den ersten Tag in der Vorschule. Jahrelang hat er zugesehen, wie seine älteren Geschwister morgens zur Schule gingen. Sein Vater Jeff weiß, dass manche Kinder den Abschied schwer nehmen, sagt aber nichts, um ihm keine Ideen in den Kopf zu setzen. Beim Abschied klammert sich Wesley an sein Bein und schreit, Daddy solle bleiben. Jeff weiß nicht, wie sie dahin gekommen sind.

Er geht in die Hocke und sagt, es sei neu, sich von Papa zu verabschieden. Wesley werde einen tollen Tag haben, auch wenn der Abschied schwer ist. Er umarmt ihn und flüstert, dass seine Lehrerin Terry ihm helfen wird. Er werde ihr sagen, dass Wesley „Twinkle Twinkle“ mag und sie es ihm vorsingen kann. Dann kündigt er an: eine Umarmung, die Erinnerung, dass Papa wiederkommt, und ein Tschüss. Jeff atmet selbst tief durch, macht es genau so, sagt, Daddy komme immer zurück, und führt Wesley zu Terry, die ihm beim Abschied hilft.

Am Abend erzählt Jeff Wesley die Geschichte des Tages und übt mit ihm eine Abschiedsroutine, in die Wesleys Lieblingskuscheltier einbezogen ist. Sie spielen den Abschied auch mit Wesleys Lego-Figuren nach. Am nächsten Morgen wirkt Wesley nervös. Jeff sagt ihm, manche Kinder weinten beim Abschied, andere nicht. Wesley dürfe fühlen, was er fühlt. Papa wisse in jedem Fall, dass er sicher ist, er werde Spaß haben, und am Ende hole Papa ihn ab.

Zehn Bücher statt zwei

Dr. Becky Kennedy – Good Inside Kapitel 28

Die vierjährige Cora hat schon immer gut geschlafen, bis vor vier Wochen. Seitdem protestiert sie beim Zubettgehen, will zehn Bücher statt zwei, weint, wenn ihre Eltern gehen, und verlangt um zwei Uhr nachts, dass einer ihrer Väter bei ihr schläft. Ben und Matt sind ratlos und erschöpft. Belohnungstafeln und Strafen haben sie versucht. Ein Freund rät ihnen, Coras Zimmertür abzuschließen. Das fühlt sich für sie falsch an.

Morgens, wenn beide ausgeruht und ruhig sind, überlegen sie, was unter dem Protest steckt. Sie sehen Angst und beschließen, einen Plan zu machen, der sie verringert und nicht vergrößert. Tagsüber üben sie Trennungsroutinen, besonders mit Ben, an dem Cora zurzeit klebt, sogar in ihrem Schlafzimmer, damit es albern und spielerisch wirkt. Cora liebt ihre Puppen, also spielt Matt mit ihnen Schlafproteste durch und übt ein Schlafmantra. Danach macht Cora selbst gern mit.

Ben bestellt einen Knopf zum Aufnehmen und spricht das Lied hinein, das sie jeden Abend singen, dazu das Mantra. Als Cora den Knopf bekommt, sieht sie sichtlich erleichtert aus, und die beiden merken, wie sehr sie nachts Zugang zu ihnen braucht. Die Schlafproteste dauern noch ein paar Nächte, dann werden sie seltener. Ben und Matt sind erleichtert und zuversichtlich, denn sie haben einen Weg, der sich richtig anfühlt und Fortschritte bringt.

Fünfzig bis hundert Herzen

Dr. Becky Kennedy – Good Inside Kapitel 28

Kennedys Tochter will in einer Phase jeden Abend einen Zettel neben dem Bett, auf dem ihr Name steht und irgendetwas zwischen 50 und 100 Herzen. Die Zahl sagt sie jedes Mal selbst an, so hat sie ein Stück Kontrolle. Das Malen dauert lange. Aber mit dem Zettel schläft die Tochter ohne viel Protest ein. Es sei jede Minute wert gewesen, sagt Kennedy.

Das Feuer

Dr. Becky Kennedy – Good Inside Kapitel 19

Die fünfjährige Blake hat Angst vor Feuer. Bei Geburtstagen weint sie, wenn Kerzen angezündet werden, und kippt in Sekunden von ruhig zu panisch. Beim Zelten mit befreundeten Familien kommt sie mit ihrem Vater Leo zum Platz zurück, wo die anderen ein großes Lagerfeuer angezündet haben. Leo sagt ihr mehrmals, sie sei sicher und das Feuer bleibe an seinem Platz. Es sei lustig, nicht gruselig. Blake klammert sich an ihn, schreit und weint. Leo ist frustriert und ratlos.

Dann besinnt er sich: Das Feuer ist für ihn nicht bedrohlich, für Blake schon. Er will ihr die Angst nicht ausreden, sondern sie damit nicht allein lassen. Er zieht sie zur Seite und sagt, etwas an dem Feuer fühle sich für sie gruselig an, er glaube ihr und sei direkt bei ihr. Er spürt, wie ihr Körper loslässt, und ist überrascht, dass ein so einfacher Satz so viel bewirkt. Dann erzählt er, dass er in ihrem Alter auch Angst vor Dingen hatte und manchmal noch hat. Dann sage er sich, es sei in Ordnung, nervös zu sein. Das wiederhole er jetzt ein paarmal und atme tief durch.

Blake beruhigt sich. Er sagt, sie könne auf seinen Schoß, sie bleiben weit weg vom Feuer. Wenn sie näher möchte oder Marshmallows rösten will, solle sie Bescheid sagen. Sie werde wissen, wann sie so weit ist, und wenn nicht, sei das auch gut.